Dieser Gastbeitrag wurde verfasst von Rollköfferchen, weitere Infos findest du unter dem Artikel.

Die Fahrt zum Ayers Rock (Uluru wie er in der indigenen Sprache heißt) verlief ohne Probleme, ist die Straße doch touristisch ausgebaut und in den Hochzeiten gut frequentiert. Also hatten wir uns mal wieder innerhalb eines Tages über 320 Kilometer durch Australien geschlängelt.

320 Kilometer hören sich für den an deutsche Autobahnen gewohnten Fahrer nicht unbedingt nach weiter Strecke an. Wenn man allerdings in einem 4WD unterwegs ist, benzinsparend fahren möchte und dann und wann mit spannenden Straßenverhältnissen wie fehlendem Straßenbelag konfrontiert wird, können aus 320 Kilometern schon mal 3,5 – 4 Stunden Fahrt werden.

Da wir unseren „Uluru Tag“ allerdings in Ruhe geniessen wollten hatten wir uns erst einmal vorgenommen nach Yulara zu fahren, Yulara ist das kurz vor dem Nationalpark gelegene touristische Zentrum und bot uns die Möglichkeit einige Kleinigkeiten einzukaufen und nach einer Duschmöglichkeit Ausschau zu halten. Auch wenn man mit einer Outdoordusche einige Tage zurecht kommt, eine heiße Dusche ist durch nichts zu ersetzen.

In Yulara kann man alle touristischen Herzenswünsche beglücken. Souvenirs, Camping, Appartements, Camel Rides, Hotel/Motel, Tourbuchungen, Supermarkt, Post, alles „notwendige“ ist vorhanden. Wir hatten uns nur nach einer Packung Toast und einer Flasche Mineralwasser umgesehen und das auch für knappe $5 im IGA erstehen können. Die Preise sind hier (etwas) teurer als in anderen Städten, für das absolute Outback allerdings noch vergleichsweise günstig. Sprit lag knapp über $2.

Über die App Wikicamps haben wir uns einen Platz für die Nacht ausgesucht der den Kommentaren zufolge sehr vielversprechend sein musste und haben Yulara wieder verlassen. Ca. 13 Kilometer in die Richtung aus der wir gekommen waren gab es auf der gegenüberliegenden Seite der Straße eine kleine versteckte Einfahrt im Staub der Wüste, der wir folgten.

Circa 200 Meter haben wir zurückgelegt bis sich die erste Düne näherte und wir unseren Allradwagen mal wieder die Sporen geben mussten, offroad auf Sand. Bergauf ist so eine Sache für sich, man braucht die richtige Geschwindigkeit um die Steigung zu bewältigen, darf aber nicht zu viel Gas geben da man sich sonst eingräbt. Die Räder müssen den Gegebenheiten der Fährte eigenständig folgen können ohne jedoch auszubrechen, das Lenkrad braucht also Spiel – aber nur eben genau in der richtigen Dosierung.

Nach der ersten Düne folgte eine weitere, circa 200 Meter lange, sich durch die Steppe schlängelnde Straße und noch eine Düne die zu dem Plateau führte auf welches wir wollten, diesmal ein kleines bisschen höher als die vorherige, aber unser Auto Challey hatte mit ihren Offroadreifen schon mehrfach bewiesen für solche Eskapaden genau die richtige Begleitung zu sein.

Nachdem wir den Scheitelpunkt der Düne erreichten wussten wir einmal mehr, dass es genau richtig war nicht auf den ausgetretenen Pfaden der Touristenmassen zu verweilen und hatten die sagenhafte Gelegenheit unser Lager für die Nacht so aufzuschlagen, dass wir einen unbezahlbar schönen Ausblick auf den Uluru und die Olgas, also Kata-Tjuta hatten. Dieser wurde sogar noch getoppt als die Sonne den Himmel für die einbrechende Nacht vorbereitete und den Horizont in ein goldenes Licht tauchte welches über die Felsformationen und die umgebene Steppe floss.

Schon immer fand ich den Uluru faszinierend, ohne genau zu wissen weshalb. Aber dieser Anblick des großen roten Steins, des spirituellen Zentrums vieler indigener Einwohner Australiens übte eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich aus und war eines meiner „must see’s“ Australiens.

Bei meinem Abschied aus Deutschland steckten mir zwei gute Freunde noch etwas Apfelwein in Dosen zu…16.000 Kilometer entfernt von zu Hause, mit Blick auf den durch den Sonnenuntergang Zentralaustraliens golden gefärbten Uluru schenkte ich uns einen Äppler ein und bereitete mit dem Mineralwasser aus Yulara einen „Sauergespritzten“. Dies war einer der Momente im Leben der so absolut einzigartig sind und perfekt war.

Der Tag tauschte seine Rolle mit der Nacht, der Äppler hatte sich geleert und wir krabbelten einmal mehr mit einem Blick auf die Milchstraße über uns in unser Wagen und schliefen eine Nacht umgeben von vollkommener Ruhe.

Am nächsten Morgen packten wir unser Lager zusammen und machten uns wieder auf den Weg, runter von den Dünen, rauf auf die Straße, quer durch Yulara und ab zum Nationalpark.

Um den Nationalpark betreten zu können muss eine Schranke passiert werden, eine Gebühr entrichtet und ein Eintrittsticket gelöst werden, $25 – pro Kopf, gültig für drei Tage – berechtigt zum Besuch von Uluru und Kata-Tjuta und so häufiges betreten und verlassen des Parkes wie man in der entsprechenden Spanne bewältigen kann. Eine Jahreskarte kostet $32 (Erwachsenenpreise ab 16). Im Nationalpark ist weder Camping noch Lagerfeuer erlaubt. Der Park schliesst um 19:30. Man sollte sich also schon vorher überlegen wie der Plan für die Nacht ausschaut.

Vom Eintrittspreis gehen 50% an den Nationalparkbetreiber (Australien) und 50% an die Besitzer des Landes – die Natives des entsprechenden Stammes.

Bevor man sich den Attraktionen wie Uluru und Kata-Tjuta widmet, kann man sich noch im Visitorcenter Informationen zu Stein, Natur und Einwohnern geben lassen, das Center ist sehr schön aufgebaut und bietet Informationstafeln, Viedeopojektionen und Audio. Wer Souvenirs benötigt oder eine kalte Cola ist hier ebenfalls richtig. Wasserstelle, Toiletten und Gasbarbeques sind hier ebenfalls zu finden, WiFi – nicht.

Aber mal weiter zum Uluru, der befindet sich ca. 5 Autominuten vom Visitorcenter entfernt, Parkplatz, Toiletten, Wasserstellen und Rest Area ist vorhanden und eine moralische Entscheidung.
Steigt man auf den Uluru oder nicht?!
Es ist möglich und es wird auch von vielen gemacht, 350 Höhenmeter, ohne Treppen, im besten Fall gibt es eine Kette an der man sich während des bisweilen 45° steilen Auf- oder Abstieges entlanghangeln kann.
Allerdings wird direkt vor dieser Aufstiegsmöglichkeit mittels Schild gebeten nicht auf den Uluru zu klettern und die heilige Stätte und den Ort wichtiger Zeremonien zu respektieren.
Es ist aber auch nicht verboten – eben eine moralische Entscheidung.

Eigentlich wollten wir nicht klettern und den 10 Kilometer „Base Walk“ gehen – bis wir davor standen, wir lasen die Bitten, wir lasen die Warnungen für Leib und Leben, aber wir konnten nicht widerstehen.

Wir mussten auf den Uluru hinaufklettern.

Das Wetter war gut, die Sonne schien, es war (noch) nicht zu heiss und wir hatten unseren Rucksack mit zwei Litern Wasser, zwei Kameras und zwei Sandwiches beladen. Das Bergsteigerfieber hatte uns gepackt.

Die ersten ca. 50 Meter gibt es ausser der einleitenden, fiesen Steigung des rutschfesten Felsens keinerlei Hilfestellung durch eine Haltemöglichkeit, dies soll wohl eine Art Auslese sein, denn wer das nicht schafft, der wird später auf gar keinen Fall weiter kommen. Danach folgen ca. 200 Meter Aufstieg mit Kette, an die man sich auch tatsächlich halten sollte, zur ersten Plattform die man zum Luftschnappen nutzen kann.

Von hier, auf etwa 250 Metern höhe des Uluru kommt man in den Genuss eines herrlichen Ausblickes auf Kata-Tjuta und einen „DAS bin ich hochgeklettert?!“ Moment.

Allerdings wären wir ja nicht wir wenn wir uns mit der 2/3 Strecke zufrieden geben würden – unser Ziel war der Gipfel.

Die Steigung war jetzt nicht mehr durchgehen so extrem wie auf den ersten 200 Höhenmetern, dafür gab es aber auch keine Kette mehr, lediglich weisse Markierungen auf dem Fels gaben eine indikation über die ungefähre Richtung die wir einzuschlagen hatten um uns unserem Ziel zu nähern. Diese Führung war auch gut, wäre sie nicht da gewesen, ich glaube wir hätten irgendwann geglaubt es ginge nicht mehr weiter.
Doch es ging weiter, auch wenn der Weg nicht danach aussah, es musste gekraxelt und gesprungen werden, manchmal musste man sich auch gegenseitig hochziehen oder schieben. Für unsportliche, alte, kranke, Kinder oder willensschwache war dieser Weg nichts mehr.

Wir schüttelten auf diesem Weg oft den Kopf über diesen „Weg“ den wir auf uns nahmen und staunten immer wieder über diesen Felsen der so ausserirdisch da lag, dass man fast meinen konnte man befände sich auf einem anderen Planeten, das alles war irgendwie bizarr, um einen herum: nichts. Aber man selbst auf diesem… Klopps der durch die Erosion der Jahrmillionen gezeichnet war.

Der Gipfel bot eine unbeschreibliche Aussicht.
Zentralaustralien lag vor uns, so weit das Auge blicken konnte, Kata-Tjuta, Mt.Conner, die Einöde der Steppe, so vieles und gleichzeitig so wenig. Es war berauschend. Wir nahmen Platz, packten Wasser und Brot aus und stärkten uns denn, das alles musste ja wieder rückwärtig überwunden werden, einen Aufzug haben wir leider nicht gefunden.

Runter kommt man immer – irgendwie und so sind wir losgezogen, wir sind wieder über Felsspalten gesprungen, geklettert und gekraxelt, haben uns die Kette langgehangelt und sind an überforderten Touristen vorbeigezogen die das alles nicht ganz so ernst genommen hatten.

Trotz der anstrengenden Strecke die ich persönlich ohne ein gutes Paar Schuhe und etwas zu trinken nicht gehen würde hatten wir das in knapp 2 Stunden „hinter uns“ gebracht. War auch gut so, die Mittagssonne stand am Himmel und brannte auf uns nieder.

Unten an der Wasserstelle haben wir uns ersteinmal frisch gemacht und haben uns noch eine kleine Strecke herausgepickt die sich am Fuße des Uluru anschliesst und mit einer tollen Beschilderung auf die Geschichte um den Fels und dessen Volk hinweist. Um 10:00 täglich findet hier eine kostenlose Führung durch einen Ranger statt. Die haben wir verpasst.
Dieser Weg ist eben und sogar für Rollstuhlfahrer geeignet und bietet viele, viele Informationen und Legenden.

Den 10 Kilometer Basewalk haben wir dann aber doch ausgelassen. 🙂

Da unser Ziel für den kommenden Tag, Kata-Tjuta, ca. 50 Kilometer vom Uluru entfernt lag – und zwar nicht in die Richtung unseres Vortagesstellplatzes, sind wir ganz sneaky in Richtung Aborigineland gezogen welches hinter Kata-Tjuta liegt und haben uns irgendwo im Busch ein Lager für die Nacht aufgeschlagen. Wir waren zufrieden den Uluru erklommen zu haben und in Vorfreude auf den nächsten Tag wenn es in das Valley of Winds gehen soll.

Das Rollköfferchen wird von Tina und Hotze um die Welt gezogen.
Früher schon in allen Teilen der Welt als Reisende unterwegs gewesen – von Katmandu bis Seattle, von der Ostsee zum indischen Ozean, haben wir uns in unseren frühen 30er Jahren entschieden unsere Karriere und den damit verbundenen Alltag zu verlassen und als Vollzeitreisende ausserhalb der gesellschaftlich normierten Komfortzone unterwegs zu sein.
Das Projekt um das Rollköfferchen ist eigentlich eher aus dem Gedanken heraus entstanden unsere Vorbereitungen zu dokumentieren um anderen, die ähnliche Interessen und Sehnsüchte verfolgen eine kleine Anleitung zu geben wie und was man alles organisieren und bedenken muss und um unsere Erlebnisse mit unseren Familien und Freunden teilen zu können.
Wer an unserem Abenteuer teilhaben möchte oder sich einfach „nur“ Infos um die Organisation einer Backpackerreise zu besorgen darf gerne auf unserer Seite www.rollkoefferchen.de vorbei schauen.